Herausgeben von ULRICH HEDTKE

J O S E P H    A L O I S    S C H U M P E T E R

W E R KE,  B R I E F E,  B I B L I O G R A F I E N   _  
E I N   S C H U M P E T E R - A R C H IV

Ausgabe vom 1. August 2016

 

  

Josef Alois Schumpeter mit Redvers Opie in Bonn - eine Aufnahme von Mia Stöckel*

 

 

BIBLIOGRAFIEN    

Mein SCHUMPETER-WERKVERZEICHNIS  zielt bei Berücksichtigung von relevanten Selbstzeugnissen auf eine Erfassung des Gesamtwerkes und dokumentiert neben Monographien, Aufsätzen und Rezensionen auch die Vorträge Schumpeters. Im Interesse einer werkgeschichtliche Erschließung seiner politologischen und sozialtheoretischen Auffassungen wurden die Leistungen Schumpeters als Staatssekretär der Republik Deutschösterreich mit aufgenommen, insofern sie über das Formell-Administrative erkennbar hinausgehen. Das Verzeichnis bietet eine chronologische Uebersicht ueber den derzeitigen Editionsstand des Gesamtwerkes und erfasst auch die online zugänglichen Partien des Schumpeterschen Werkes, präsentiert also dessen mir bekannten Online-Bestand.

Das BRIEFVERZEICHNIS dokumentiert für Schumpeter: Briefe / Letters (Tübingen 2000) die Adressaten und Archivstandorte der gegenwärtig ermittelten deutschsprachigen Briefe, Karten und Telegramme Schumpeters. Darüber hinaus erschließt es Quellen, die zum Zeitpunkt der Edition der Briefauswahl noch unbekannt waren. So den Briefwechsel Schumpeters mit Gottfried Kunwald, der im Sonderarchiv Moskau zu entdecken war.

Das VERZEICHNIS DER VORLESUNGSSKRIPTE listet die mir bekannten studentischen Aufzeichnungen zu den Vorlesungen Schumpeters aus den Jahren 1911 bis 1932.

 


 

WERKGESCHICHTLICHE   FORSCHUNGEN

Meine Dokumention SCHUMPETERS GRAZER KONFLIKTE beleuchtet erstmalig die intensiven nationalistischen Widerstände, denen Schumpeter in Graz begegnete. Deren Auftakt bildete ein furioser „Studentenstreik“ im WS 1912. Sie führten 1918 schließlich zu Kampagnen, Schumpeter zum nationalökonomischen Feind des steirischen Mittelstandes zu erklären. Da die Dokumentation sowohl werkgeschichtlich, biografisch wie auch editorisch Neues bietet, veröffentliche ich sie in beiden Abteilungen des Archivs.

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1908 war der junge Schumpeter überzeugt, mit der persönlichen Energie, dem effort, eine soziologische Grundeigenschaft entdeckt zu haben, die es gestattet, die Wirtschaftsentwicklung erstmals wirtschaftstheoretisch zu fassen. 1911 legte er hierzu die in diesem Sinne vom Energieprinzip mitbestimmte Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung vor. Mit der Zweitausgabe der Theorie bildete Schumpeter 1926 diesen Ansatz in ein Stück Führersoziologie um. Wir verfolgen diesen Übergang und die zum Teil paradoxen Implikationen, in die Schumpeters Unternehmerverständnis sich auf diese Weise verstrickt. Abschließend schlage ich vor, Schumpeters späte Konzeption des Unternehmerischen als indeterminiertes Schöpfertum nicht nur als ein letztes, sondern werkgeschichtlich neues Wort zum Thema zu betrachten: SCHUMPETERS ARBEIT AM UNTERNEHMERBEGRIFF .

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In der Zeit des 1. Weltkrieges hat Schumpeter initiativreich für das Zustandekommen eines Wiener friedenspolitischen Kabinetts gestritten. Dabei standen politische Denkschriften, politische Korrespondenzen und entsprechende persönliche Kontakte im Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Der FORSCHUNGSBERICHT ZU SCHUMPETERS FRIEDENSPOLITIK in den Jahren 1916-1918 stellt diese Aktivitäten erstmals zusammenhängend und übersichtlich auf der Grundlage des Forschungsstandes vom April 2004 vor.

 

 


 

TEXTEDITIONEN

Die nachstehenden Veröffentlichungen des Schumpeter-Archivs ergänzen die bekannten Ausgaben um bisher unbekannte oder entlegene Texte Schumpeters und zielen auf die Publikation des Gesamtwerkes. In den Bibliografien werden sie mit dem Erscheinungsort schumpeter.info verzeichnet.

 

Edition 

Die Edition VORTRÄGE DER BONNER ZEIT stellt bisher zum Teil unbekannte deutschsprachige Vorträge Schumpeters aus den Jahren 1926-1932 vor und dokumentiert im Anhang die nationalistische Attacke von 1932. Eine quellenkritische Einleitung reflektiert u. a. an Hand bisher unbekannter Unterlagen die Editionsgeschichte der mangelhaften deutschen Ausgabe von Capitalism, Socialism & Democracy wie die der - zugleich neu datierten - berühmten Abschiedsrede Schumpeters vor der Bonner Staatswissenschaftlichen Fachschaft.

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Die Bemerkungen Schumpeters vom Dezember 1924 zur 2. Auflage von Mises Theorie des Geldes und der Umlaufmittel stehen unter dem Titel GELDWERTTHEORIE UND WÄHRUNGSPRAXIS. Ich publiziere den Text nach seiner Veröffentlichung in DIE NEUE WIRTSCHAFT (Wien), Weihnachten 1924.

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Meine Dokumention SCHUMPETERS GRAZER KONFLIKTE beleuchtet erstmalig die intensiven nationalistischen Widerstände, denen Schumpeter in Graz begegnete. Deren Auftakt bildete ein furioser „Studentenstreik“ im WS 1912. Sie mündeten 1918 in den Versuch, Schumpeter zum Agenten des internationalen Großkapitals und damit zum Feind des steirischen Mittelstandes zu erklären und machten ihm mit der schließlich von Anton Rintelen durchgesetzten Berufung Alfred Gürtlers das akademische Graz problematisch. Da die Dokumentation sowohl werkgeschichtlich, biografisch wie auch editorisch Neues bietet, veröffentliche ich sie in beiden Abteilungen des Archivs.

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Vom Herbst 1913 bis in den Frühling 1914 nahm Schumpeter bekanntlich als erster Gast die neu eingerichtete österreichische Austauschprofessur an der Columbia-Universität in New York wahr. Wie wir aus seinem im Winter 2011 im Österreichischen Staatsarchiv entdeckten persönlichen Bericht nunmehr ausführlich erfahren können, hat er in diesen Monaten nicht nur in New York, sondern insgesamt an 17 amerikanischen Universitäten gewirkt, unzählige Vorträge gehalten und interessante Einblicke in das zeitgenössische wissenschaftliche, politische und ökonomische Leben Amerikas gewonnen. Schumpeter kehrte am Vorabend des 1. Weltkrieg nach Österreich zurück. Mein Vorwort zu dieser Edition reflektiert deshalb den Weg von New York zurück nach Graz. Der BERICHT SCHUMPETERS ÜBER SEINE MISSION ALS AUSTAUSCHPROFESSOR wird hier nach dem 44-seitigen handschriftlichen Original veröffentlicht. (Vergleichen Sie hierzu auch die untenstehende Publikation: Vorträge Schumpeters 1913-1914 in Amerika.)

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Im deutlichen Gegensatz zu Werner Sombart und seinen Hasstiraden wie auch zu Max Weber mit seiner Machtstaatsrhetorik hatte Joseph Schumpeter im 1. Weltkrieg die Courage, sich dem nationalistisch-verrückten Zeitgeist politisch zu widersetzen. Davon zeugen seine politischen Memoranden wie seine Aktivitäten im Verein para pacem. Die AUSKUNFT SCHUMPETERS ÜBER DAS GEGENSEITIGE VERHÄLTNIS DER VÖLKER NACH DEM KRIEGE war bisher nicht bekannt. Ich publiziere den Text hier als Faksimile des 1916 in den Verbandsmitteilungen des Vereins para pacem erschienenen Originals.

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In den Jahren 1909-1911 war Schumpeter a.o. Professor für Politische Ökonomie an der Universität Czernowitz. Das waren zugleich die Jahre, in denen er die vor nunmehr 100 Jahren publizierte Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung schuf. Mit der Dokumentation CZERNOWITZER ANGELEGENHEITEN stelle ich zusammenhängend Presseberichte zum Wirken Schumpeters an der Universität Czernowitz vor. Aufschlussreiche und bisher unbekannte Vortragsberichte sowie neue Zeugnisse zum akademischen Wirken Schumpeters korrigieren unser bisheriges Bild von dieser Zeit.

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Schumpeter betont in seinem bisher unbekannten Brief an George Garvy vom 1. 12. 1943 die indikative Bedeutung des Verlaufs der Arbeitslosigkeit für die Identifzierung von Kondratieffzyklen. In der Einführung zu diesem Brief SCHUMPETER UND DAS JAHR 2008 reflektiere ich den Zusammenhang zwischen Schumpeters zyklentheoretischer Auffassung und dem Verlauf der europäischen Arbeitslosenraten: Eine strikt Schumpetersche Prognose kann für den Zeitraum um 2008 mit dem Beginn des 5. Kondratieff-Zyklus rechnen.

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Die VORTRÄGE SCHUMPETERS 1913-1914 IN  AMERIKA sind nicht nur von politischem Interesse. Predicts Third Balkan War titelt zum Beispiel einer der Vortragsberichte. An Hand des von Schumpeter selbst redigierte Textes zum Thema Frauenbewegung und Familie kann man die soziologische Denkweise studieren, die er 1911 im Schlusskapitel der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung skizziert hat.

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Von den mindestens sieben Vorträgen, die Schumpeter zwischen Oktober 1927 und April 1928 in Amerika gehalten hat, publiziere ich hier ZWEI VORTRÄGE IN AMERIKA Die New York Times titelte am 28. 2. 1928 ihren Vortragsbericht Sees catastrophe looming in Europe.

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Die Sammlung POLITISCHE MEMORANDEN bietet den Gesamtüberblick über das informelle politische Schrifttum Schumpeters in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Im Anschluss an einen Aufsatz zur Forschungslage in Sachen Schumpeter-Memoranden publiziere ich fünf bisher unbekannte politische Denkschriften und skizziere den Forschungsstand, der sich aus der Neudatierung einiger politischer Briefe Schumpeters ergibt.  

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Zu den wenigen Zeugnissen einer wissenschaftlichen Tätigkeit Schumpeters in den frühen zwanziger Jahren gehört die Diskussionsbemerkung  DAS "VOLKSWIRTSCHAFTLICHE" EINKOMMEN AUS DER LANDWIRTSCHAFT

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Am 2. September 1927  sprach Schumpeter auf der Tagung der Britisch Association for the Advancement of Science in Leeds über The Instability of Our Economic System.Von der britischen Tagespresse wurde der Vortrag zum einen unter dem Gesichtspunkt des Stabilitätsproblems zum anderen mit Blick auf die aktuelle Frage des Goldstandards referiert. Hier die Version des Manchester Guardian vom 3.September 1927: IS THE CAPITALIST SYSTEM STABLE?

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Am 28. September 1929 wurde Schumpeter vom Kartellausschuss der vom Deutschen Reichstag eingerichteten Enquêtekommission zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft zur Kartellpolitik vernommen. Den Text der VERNEHMUNG  ZUR  KARTELLPOLITIK publiziere ich nach dem 1930 veröffentlichten Stenogramm.

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Die Vorträge, die Schumpeter  im Januar 1931 in Japan im Rahmen eines Themenzyklus gehalten hat, sind bisher schwer zugänglich. Hier finden Sie drei JAPANISCHE VORTRÄGE: 1. The Theory of the Business Cycle, 2. The Present State of Economics, 3. The Present State of International Commercial Policy.

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H
ans Ulrich Esslinger hat im Bestand des Lederer-Archivs das Schumpeter-Manuskript ENTWICKLUNG aus dem Jahr 1932 entdeckt. Diese bisher unbekannte Festgabe für Gustav Lederer bietet einen interessanten Zugang zur sozialphilosophischen Vorstellungswelt Schumpeters am Ende seiner Bonner Zeit.

Schumpeter’s unknown article DEVELOPMENT, translated by Markus C. Becker and Thorbjørn Knudsen. Development is a new, unpublished and hitherto unknown article written by Joseph A. Schumpeter. This article was originally written in German and titled Entwicklung. It was part of a voluminous folder containing sixty-nine articles that in 1932 were offered to Emil Lederer in honour of his 50th birthday. Schumpeter’s unknown article was recently uncovered in a remote archival box by Hans Ulrich Eßlinger. Development is remarkable since it helps understand the unity of Schumpeter’s work and significantly adds to Schumpeter’s known works on a number of issues that were central to his theory of economic development.

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Hi
er publiziere ich die Vorlesungsmitschrift von Cläre Tisch zu der finanzwissenschaftlichen Bonner Vorlesung Schumpeters aus dem Wintersemester 1928/29. Für den Zugang zu einer Fassung der Mitschrift, die keine eingebetteten Grafiken enthält: FINANZWISSENSCHAFT (I). Den Zugang zum Gesamtbestand der Mitschrift einschliesslich der Grafiken bietet: FINANZWISSENSCHAFT (II). Den Index zur Vorlesungsmitschrift finden Sie unter CLÄRE TISCHS INDEX.

 


 

 

BRIEFEDITIONEN

Die nachstehenden Veröffentlichungen des Schumpeter-Archivs ergänzen die Briefediton Schumpeter, Briefe/Letters, (U. Hedtke u. G. Swedberg, Hr.), Tübingen 2000 um bisher unbekannte resp. nicht edierte Briefe Schumpeters und zielen auf die Publikation des Gesamt- werkes. In den Bibliografien werden sie mit dem Erscheinungsort schumpeter.info verzeichnet.

Edition 

Den Brief des Finanzstaatssekretärs Schumpeter AN KARL KAUTSKY vom 20. März 1919 publiziere ich als Faksimile des im Internationalen Institut für Sozialgeschichte Amsterdam aufbewahrten Originals.

 

 


 

 

BIOGRAFIE   & AUSSTELLUNGEN 

 

Biografie      Meine demnächst zu erweiternde KURZBIOGRAFIE

 

Jens Budischowsky macht uns in seinem Aufsatz ZUM EHEHINDERNIS DES (NOCH) BESTEHENDEN EHEBANDES erstmals detailliert mit der Problematik vertraut, vor die Schumpeter im Herbst 1925 gestellt war, um Anna Reisinger rechtsgültig heiraten zu können. Denn die Scheidung seiner ersten Ehe mit Gladys Ricarde-Seaver im Jahre 1920 war eine Trennung "... von Tisch und Bett" und ermöglichte noch keine Wiederverheiratung. - Die interessante Arbeit erschien im Adler, der Zeitschrift der gleichnamigen Wiener Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft, mit deren freundlicher Genehmigung wir sie hier publizieren dürfen.

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Genealogie    Jens Budischowsky hat eine jüngere überarbeitete Fassung seiner bereits in der Wiener Heraldisch-Genealogischen Zeitschrift Adler publizierten Arbeit ZUR FAMILIE SCHUMPETER vorgelegt, die wir hier mit Erlaubnis des Autors und der Zeitschrift publizieren. Schumpeter, dessen soziologisches Interesse an Genealogien bekannt ist, war von 1901-1927 Mitglied dieser Gesellschaft.

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Ausstellung  Das SCHUMPETER-HAUS  in Třešt/Tschechische Republik wurde am 20. Mai 2004 vom Präsidenten der Republik Václav Klaus der Öffentlichkeit übergeben. Wir dokumentieren die Eröffnung und vermitteln einen Eindruck von der interessanten ständigen Ausstellung des Hauses.     

 


           

 

 

KONTAKT   ZUM   HERAUSGEBER         

Sie erreichen Ulrich Hedtke, den Herausgeber des Schumpeter-Archivs, unter der Adresse: post@schumpeter.info 

 

 ANMERKUNG

* Die Schumpeter-Aufnahme publiziere ich mit freundlicher Erlaubnis von Frau Zora Recker (Dudenhofen und Berlin), in deren Familienarchiv sich das Foto befindet.  

 

L I N K S 

Die International Joseph A. Schumpeter Society

Die Grazer Schumpeter Gesellschaft

Der Katalog der Schumpeter-Bibibliothek: Schumpeter Library - Hitosubashi University 

Welche Originalarbeiten Schumpeters bieten die Documents for the History of Economics?